In einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke thematisieren die Abgeordneten die chirurgische Kastration männlicher Ferkel, die seit 2021 nur noch unter Betäubung erlaubt sei und kritisieren, dass der Eingriff trotz Betäubung medizinisch unnötig und belastend für die Tiere bleibe. Die Praxis diene primär der Vermeidung von “Ebergeruch” im Fleisch und wird als rein ökonomisch motiviert bezeichnet. Als Alternativen werden die Immunokastration und die Mast unkastrierter Eber genannt, die als praxistauglich und tierschutzgerechter eingestuft werden. Obwohl internationale Beispiele und Erklärungen wie die „Düsseldorfer Erklärung“ sowie der Koalitionsvertrag der Bundesregierung auf einen Ausstieg aus der chirurgischen Kastration hindeuteten, würden in Deutschland weiterhin rund 80 % der männlichen Ferkel operativ kastriert. Die Fragesteller*innen kritisieren fehlende politische Maßnahmen zur Umsetzung der Alternativen und fragen die Bundesregierung nach konkreten Schritten, auch in Bezug auf die Überarbeitung des Tierschutzgesetzes, die Förderung von Alternativverfahren und die Einhaltung europäischer Tierschutzrichtlinien.
Die chirurgische Kastration männlicher Ferkel, selbst unter Betäubung, ist problematisch, da sie das grundlegende Recht der Tiere auf Unversehrtheit und Schutz vor vermeidbarem Leid verletzt. Die Tatsache, dass der Eingriff nicht medizinisch notwendig ist, sondern ökonomischen Interessen dient, zeigt einen klaren Konflikt zwischen Tierwohl und wirtschaftlichen Interessen. Alternative Methoden wie die Immunokastration und die Mast unkastrierter Eber sind nicht nur verfügbar, sondern bieten auch eine tierschutzgerechtere Lösung. Der bisherige Verzicht der Bundesregierung auf klare Regelungen, um diese Alternativen verpflichtend einzuführen, wird aus Tierschutzsicht als unzureichend bewertet. Die Fortführung der aktuellen Praxis trotz existierender Alternativen widerspricht dem verfassungsrechtlich verankerten Staatsziel Tierschutz und lässt den politischen Willen zur konsequenten Umsetzung von Tierschutz vermissen.
Kleine Anfrage: Ausstieg aus der chirurgischen Ferkelkastration (Drucksache 20/8882)
Antwort der Bundesregierung: Ausstieg aus der chirurgischen Ferkelkastration (Drucksache 20/9071)